§ 9 Verteilung der Kosten der Versorgung mit Wärme und Warmwasser bei verbundenen Anlagen

§9 Verteilung der Kosten der Versorgung mit Wärme und Warmwasser bei verbundenen Anlagen

(1) Ist die zentrale Anlage zur Versorgung mit Wärme mit der zentralen Warmwasserversorgungsanlage verbunden, so sind die einheitlich entstandenen Kosten des Betriebs aufzuteilen. Die Anteile an den einheitlich entstandenen Kosten sind bei Anlagen mit Heizkesseln nach den Anteilen am Brennstoffverbrauch oder am Energieverbrauch, bei eigenständiger gewerblicher Wärmelieferung nach den Anteilen am Wärmeverbrauch zu bestimmen. Kosten, die nicht einheitlich entstanden sind, sind dem Anteil an den einheitlich entstandenen Kosten hinzuzurechnen. Der Anteil der zentralen Anlage zur Versorgung mit Wärme ergibt sich aus dem gesamten Verbrauch nach Abzug des Verbrauchs der zentralen Warmwasserversorgungsanlage. Bei Anlagen, die weder durch Heizkessel noch durch eigenständige gewerbliche Wärmelieferung mit Wärme versorgt werden, können anerkannte Regeln der Technik zur Aufteilung der Kosten verwendet werden. Der Anteil der zentralen Warmwasserversorgungsanlage am Brennstoffverbrauch ist nach Absatz 2, der Anteil am Wärmeverbrauch nach Absatz 3 zu ermitteln.

Bei Heizanlagen, die sowohl Heizwärme liefern als auch Wasser erwärmen (verbundene Anlagen) müssen die einheitlich entstandenen Kosten aufgeteilt werden. Und zwar in die Kosten für Wärme (Heizung) und die Kosten für Warmwasser. Wie die Berechnung dieser Aufteilung erfolgen muss, regeln die Absätze 2 und 3.
Kosten, die sich direkt zu den Heizkosten oder direkt zu den Warmwasserkosten zuordnen lassen, werden abgetrennt und direkt zugeordnet. Dies kann zum Beispiel die Miete für Wasserzähler sein - diese Kosten werden direkt den Warmwasserkosten zugeordnet.

Die Änderungen mit der Novellierung zum 01.01.2009 sind redaktioneller Art und dienen der Klarstellung des Anwendungsbereichs entsprechend Absatz 2. Neu ist auch die Öffnungsklausel nach den anerkannten Regeln der Technik für Anlagen, die weder durch Heizkessel noch durch eigenständige gewerbliche Wärmelieferung mit Wärme versorgt werden.

(2) Die auf die zentrale Warmwasserversorgungsanlage entfallende Wärmemenge (Q) ist ab dem 31. Dezember 2013 mit einem Wärmezähler zu messen. Kann die Wärmemenge nur mit einem unzumutbar hohen Aufwand gemessen werden, kann sie nach der Gleichung

bestimmt werden. Dabei sind zu Grunde zu legen

  1. das gemessene Volumen des verbrauchten Warmwassers (V) in Kubikmetern (m³);
  2. die gemessene oder geschätzte mittlere Temperatur des Warmwassers (tw) in Grad Celsius (°C).

 

Wenn in Ausnahmefällen weder die Wärmemenge noch das Volumen des verbrauchten Warmwassers gemessen werden können, kann die auf die zentrale Warmwasserversorgungsanlage entfallende Wärmemenge nach folgender Gleichung bestimmt werden

Dabei ist die durch die zentrale Anlage mit Warmwasser versorgte Wohn- oder Nutzfläche (AWohn) zu Grunde zu legen. Die nach den Gleichungen in Satz 2 oder 4 bestimmte Wärmemenge (Q) ist

1. bei brennwertbezogener Abrechnung von Erdgas mit 1,11 zu multiplizieren und

2. bei eigenständiger gewerblicher Wärmelieferung durch 1,15 zu dividieren.

In Gebäuden mit zentraler Warmwasserversorgung und ohne Wasser- oder Wärmezähler wurden Warmwasserkosten bisher regelmäßig rechnerisch ermittelt, insbesondere nach der 18%-Methode. Nach dem 31. Dezember 2013 muss die zur Warmwasserbereitung benötigte Energie grundsätzlich mit einem eigenen Wärmezähler gemessen werden.

Hintergrund ist, dass wegen allgemein in den letzten Jahrzehnten verbesserter Gebäudedämmung der Anteil der zur Warmwasseraufbereitung benötigten Energie am gesamten Heizenergieverbrauch gestiegen ist. Über die Verwendung von Wärmezählern soll die möglichst genaue Erfassung der verbrauchten Energiemenge zur Aufbereitung von Warmwasser sichergestellt werden.

Ausschließlich in Gebäuden, in denen der Einbau eines Wärmezählers wegen baulicher oder technischer Gründe unverhältnismäßig hohe Kosten verursachen würde, darf mit Hilfe einer grundlegend überarbeiteten Formel der Energieanteil für Warmwasser rechnerisch ermittelt werden. Wir empfehlen eine rechtzeitige Installation von Wärmezählern, um nicht gegen Ende der fünfjährigen Übergangsfrist Liefer- und Montageengpässen ausgesetzt zu sein.

Berechnung nach der Formel, sofern kein Wärmezähler installiert werden kann:

Q = (2,5 * E * V * (t[w] - 10)) / (A * K)

Die einzelnen Variablen sind:

Q Wärmemenge der Wasserversorgung

2,5

Konstante für den Wirkungsgrad der Heizanlage

2,5 ist das Ergebnis folgender Rechnung: Spezifische Wärmekapazität für die Erwärmung eines Kubikmeters Wasser um eine Wärmeeinheit = 1,16 kWh dividiert durch den mittleren Wirkungsgrad der Heizanlage mit 46 %: 1,16 / 0,46 = 2,5217391

V

Volumen des erwärmten Wassers in Kubikmeter. Gemessen durch geeichte Wasserzähler.

tw

Mittlere Temperatur des Warmwassers. Diese kann durch Messung oder Schätzung erfolgen. Regelwerte sind 55 °C bis maximal 60 °C. Mehr als 60 °C sind nicht möglich, da § 8 Absatz 2 Heizanlagenverordnung 60 °C als Höchstwert vorschreibt. 10 °C als Konstante für die angenommene mittlere Temperatur des zu erwärmenden Wassers.

Kann weder die Wärmemenge noch das Volumen des Warmwassers gemessen werden, wird die 2. Alternative verwendet

Q = 32 * E / A

Die einzelnen Variablen sind:

Q Wärmemenge der Wasserversorgung
32 Der Faktor 32 ergibt sich aus dem Nutzenergiebedarf für Warmwasser nach der Energieeinsparungsverordnung unter Berücksichtigung empirischer Erkenntnisse der Abrechnungswirtschaft über Verluste für Verteilung und Speicherung sowie einer mittleren Aufwandszahl für den Wärmeerzeuger von 1,15.
AWohn Wohn- oder Nutzfläche

 

(§3) Bei Anlagen mit Heizkesseln ist der Brennstoffverbrauch der zentralen Warmwasserversorgungsanlage (B) in Litern, Kubikmetern, Kilogramm oder Schüttraummetern nach der Gleichung

zu bestimmen.

Dabei sind zu Grunde zu legen

  1. die auf die zentrale Warmwasserversorgungsanlage entfallende Wärmemenge (Q) nach Absatz 2 in kWh;
  2. der Heizwert des verbrauchten Brennstoffes (Hi) in Kilowattstunden (kWh) je Liter (l), Kubikmeter (m³), Kilogramm (kg) oder Schüttraummeter (SRm). Als Hi-Werte können verwendet werden für

 

Leichtes Heizöl EL  10 kWh/l
Schweres Heizöl  10,9 kWh/l
Erdgas H  10 kWh/m³
Erdgas L 9 kWh/m³
Flüssiggas 13,0 kWh/kg
Koks  8,0 kWh/kg
Braunkohle 5,5 kWh/kg
Steinkohle 8,0 kWh/kg
Holz (lufttrocken) 4,1 kWh/kg
Holzpellets 5,0 kWh/kg
Holzhackschnitzel 650 kWh/SRm

Enthalten die Abrechnungsunterlagen des Energieversorgungsunternehmens oder Brennstofflieferanten Hi-Werte, sind diese zu verwenden. Soweit die Abrechnung über kWh-Werte erfolgt, ist eine Umrechnung in Brennstoffverbrauch nicht erforderlich.

Hier geht es um die Berechnung des Brennstoffverbrauchs (B) der zentralen Warmwasserversorgungsanlage. Q ist die Wärmemenge für das Warmwasser, das entsprechend den Vorgaben in Absatz 2 ermittelt wird. Die Aufzählung der Brennstoffe wurde erweitert. Sie entspricht jetzt der aktuelle Beheizungsstruktur in Deutschland.

 

(4) Der Anteil an den Kosten der Versorgung mit Wärme ist nach § 7 Abs. 1, der Anteil an den Kosten der Versorgung mit Warmwasser nach § 8 Abs. 1 zu verteilen, soweit diese Verordnung nichts anderes bestimmt oder zulässt.

Die nach den Absätzen 2 und 3 ermittelten Werte sind anschließend gemäß den §§ 7 und 8 der Verordnung zu verteilen - also nach Grund- und Verbrauchskosten.

Soweit diese Verordnung nichts anderes bestimmt oder zulässt, bedeutet das, dass auch bei verbundenen Anlagen eine Vorerfassung und Aufteilung der Kosten nach § 5 Absatz 2 und § 6 Absatz 2 erfolgen kann oder muss.